Irritation – durch Intervenieren irritieren

Systemtheoretiker verstehen psychische und soziale Systeme als autonome, selbstbezügliche Systeme. Diese nehmen Interventionen ihrer Umwelt als Irritation wahr, die intern verarbeitet oder interpretiert wird. Zu welchem Ergebnis das führt, hängt mehr von den Möglichkeiten des Systems ab als vom Willen oder dem Ziel der intervenierenden Person. Es gibt demnach keine instruktiven Interventionen; systemische Interventionen legen es in erster Linie darauf an, neue Systemzustände anzuregen, ohne ein bestimmtes Ziel vorwegzunehmen.

Jeder Intervention geht eine Hypothese voraus, zum Beispiel, das System erlebe seinen Zustand als Schicksal. Dann werden mit systemischen Fragen Wahlmöglichkeiten eingebracht, die das System für sich selbst noch nicht sieht. „Wann hat sich Ihr Team dafür entschieden, die verabredeten Teambesprechungen nicht durchzuführen?“ „Was könnte Ihr Team davon haben, an dem problematischen Verhalten schon so lange festzuhalten?“ Andere Interventionen könnten beispielsweise von der Hypothese ausgehen, die Gruppe nehme die Unterschiede der Mitglieder nicht hinreichend wahr. „Wer würde als Erster bemerken, dass sich etwas geändert hat?“ „Wer ist denn wie stark an Veränderung interessiert? Wer gar nicht?“ Eine Intervention ist nicht instruktiv, aber irritierend, wenn sie das System zu etwas Neuem anregt, das aber auch die Berater/innen noch nicht kennen.