Training
Organisationsentwicklung
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Supervision
Gruppendynamisches Training
Das gruppendynamische Training ist eine Methode zum trainieren sozialer Kompetenzen. In der nunmehr 60 jährigen Tradition - ausgehend v.a. vom Sozialpsychologen Kurt Lewin und seinen Schülern - wurde es zu einem methodisch und wissenschaftlich fundierten Weg für Erwachsene, ihre soziale Wahrnehmung, ihr Verhalten und ihre "Gruppenkompetenz" zu reflektieren und weiter zu entwickeln. Der Ausgangspunkt des sozialen Lernens (= das Lernen über das, was sich zwischen den Menschen abspielt) ist das aktuelle Geschehen in der Gruppe, das „Hier und Jetzt“. Es gründet auf der Verbindung von erfahren, reflektieren und verändern.
Das gruppendynamische Training bietet zwei Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten:
1. Selbsterfahrung:
Das gruppendynamische Training fordert heraus, sich mit den eigenen bewussten und unbewussten Verhaltens- und Wahrnehmungsmustern auseinanderzusetzen. Wie wirke ich auf die anderen in der Gruppe, wie wirken sie und die Gruppe auf mich? Welche meiner Wirkungen sind beabsichtigt, welche nicht? Zugleich bietet das gruppendynamische Training einen geschützten Rahmen und unterstützt dabei, Neues auszuprobieren.
2. Soziale Prozesse in Gruppen verstehen und gestalten:
Am Beispiel der Seminargruppe wird erforscht, wie sich in der Gruppe spezifische Normen und Regeln, unterschiedliche Rollen und Konflikte ausbilden. Wie alle Gruppen entwickelt sie eine besondere Gestalt, die sie von anderen Gruppen unterscheidet. Es gilt ein Gespür für die jeweilige gruppendynamische Ordnung zu entwickeln und die „Gruppenebene“ wahrzunehmen, die „unter“ der Ebene der Sachaufgaben liegt. Denn: Nur was ich wahrnehme und benennen kann, das kann ich auch bewußt gestalten.
Arbeitsformen und Methoden:
- Die gruppendynamische Trainingsgruppe (TG)
Die zentrale Arbeitsform auf einem GD-Training ist die Trainingsgruppe. In der Regel werden bei einem Training zwei Trainingsgruppen gebildet, die parallel arbeiten und jeweils von einem Trainerpaar begleitet werden. Die Trainingsgruppe unterscheidet sich durch folgende Merkmale, von dem was wir normalerweise unter einer Gruppe verstehen oder in einer Gruppe erwarten:
* die Trainingsgruppe hat sich selbst zum Thema: Teams und Arbeitsgruppen haben in aller Regel ein Sachthema und eine Sachaufgabe. Hier ist die Gruppe selbst das Thema. Sie wird von den Beteiligten gestaltet, erlebt und reflektiert. Eine anspruchsvolle Aufgabe, die die Aufmerksamkeit auf das Geschehen zwischen den Beteiligten im „Hier und Jetzt“ richtet.
* die Trainingsgruppe wird nicht von der Leitung / den Trainer:innen strukturiert / geleitet: In der Trainingsgruppe wird von den Trainer:innen kein Programm vorgegeben, werden keine Aufgaben verteilt, so wie man dies gewohnt ist. Die Gestaltung der Gruppe ist die Aufgabe der Teilnehmer:innen, die Trainer:innen begleiten die Gruppe dabei, bringen ihre Wahrnehmungen ein, halten den Rahmen und bieten Herausforderung und Schutz. Sie leiten aber nicht im gewohnten Stil. Die Gruppe lernt mit dieser ungewöhnlichen, auch verunsichernden Aufgabe umzugehen.
* die Trainingsgruppe wird über Feedback gesteuert: das zentrale gruppendynamische Arbeitsmittel ist das Feedback. Die Gruppenmitglieder sind eingeladen, den anderen, Teilen der Gruppe oder der Gruppe als Gesamtes mitzuteilen, was sie beobachten und wie das Beobachtete auf sie wirkt. Damit wird in der Trainingsgruppe thematisiert, worüber in der alltäglichen Kommunikation nicht gesprochen wird. Die Gruppe und die einzelnen lernen, ihr Verhalten und die Situation in der Gruppe zu reflektieren und werden angeregt, Neues auszuprobieren.
- Das Plenum
Im Plenum treffen sich alle Teilnehmer:innen und Trainer:innen. Die Treffen im Plenum werden von den Trainer:innen, dem Staff geleitet. Hier werden Fragen zum jeweiligen Thema des Trainings bearbeitet, gruppendynamische Konzepte und Theorien vorgestellt, die Prozesse in den Trainingsgruppen miteinander verglichen oder die Situation in der gesamten Gruppe reflektiert. So werden die Prozesse zwischen den Gruppen (Vergleich, Konkurrenz, gegenseitig Anregung etc.) und ihre Auswirkungen auf das Gesamtsystem der Beobachtung und Reflexion zugänglich.
Gegen Ende des Trainings finden im Plenum Fragen der Übertragbarkeit des Erfahrenen auf die Situationen im (beruflichen) Alltag ihren Platz.
- Unterstützungsgruppen, Lernpartnerschaften, Reflexionsgruppen
Hier handelt es sich um die kleinste Gruppenform auf einem Training. Einmal am Tag treffen sich drei oder vier Menschen aus unterschiedlichen Trainingsgruppen und tauschen sich darüber aus, wie es ihnen auf dem Training geht, was ihnen die Teilnahme erschwert oder erleichtert, welche Erfahrungen sie gemacht haben und was sie ausprobieren wollen etc.. Ziel der kleinen Gruppen ist es, sich gegenseitig beim Erfahren und Lernen zu unterstützen.
- Gruppendynamische Übungen
Die Gruppendynamik als Format des Sozialen Lernens hat eine Vielzahl an gruppendynamischen Übungen hervorgebracht, mit deren Hilfe einzelne soziale Phänomene (Kooperation, Konkurrenz, Leitung und Gefolgschaft, Entscheidungen, Normen und Rollen etc.) beobachtet und erlebt werden können. Im Laufe des Trainings überlegt der Staff, ob und welche Übungen zum Prozess der jeweiligen Gruppe passen und schlägt diese vor.
Teilnahmevoraussetzungen
Alle GD-Trainings von TOPS richten sich an
* Fach- oder Führungskräfte,
* Angestellte und/oder Freiberufler:innen,
* die im Profit- und /oder Non-Profitbereich tätig sind
* und professionell und erfolgreich mit Menschen in Gruppen und Teams umgehen wollen.
* Agile Coaches, scrum master und product owner, die einen tieferen Einblick in die Dynamik von Gruppen und Teams bekommen wollen.
Wir setzen bei allen Teilnehmenden, emotionale Belastbarkeit, Neugierde und die Bereitschaft voraus, sich selbst und das, was im Training passiert, zu reflektieren.
Qualitätsmerkmale eines gruppendynamischen Trainings
Nicht überall wo gruppendynamisches Training draufsteht ist auch gutes Training drin. Folgende Kriterien halten wir entscheidend für die Qualität unserer Veranstaltungen:
* Die Dauer von fünf Tagen: Gruppenprozesse lassen sich nicht beliebig beschleunigen, ebenso Lernprozesse, die sich auf das soziale Verhalten beziehen. Nicht der erste Eindruck zählt, sondern das gegenseitige Erleben in unterschiedlichen Gruppensituationen. Es braucht Zeit, sich auf die anfängliche Verunsicherung einzulassen und (neue) Sicherheit in der Gruppe zu gewinnen. Fünf Tage sind dafür der passende Rahmen.
* Keine direkten Abhängigkeiten zwischen den Teilnehmenden: Mit den eigenen Vorgesetzten oder Mitarbeiter:innen in der Gruppe bleibt man an die eigene Rolle gebunden und muss berücksichtigen, dass die Zusammenarbeit nach dem Training weitergeht. Unter „Fremden“ hat man mehr Spielraum. Ein gruppendynamisches Training passt nicht ins Team.
* Die Qualifikation der Trainer:innen: Sie verfügen über eine entsprechende Ausbildung, die vom Fachverband (DGGO - deutsche Gesellschaft für Gruppendynamik und Organisationsdynamik)) anerkannt ist. Sie sind Teil dieser fachlichen Community, die ihre Arbeit wissenschaftlich begründet und dazu öffentlich im Austausch steht.
* Vom Veranstalter unabhängige Klärungsstelle: Für Beschwerden oder Kritik, die nicht direkt auf dem Training geäußert werden konnten, unterhält die DGGO eine Klärungsstelle (https://www.dggo.de/klaerungsstelle).
Literatur:
König O., Schattenhofer K. (2022, 11. Auflage). Einführung in die Gruppendynamik; Heidelberg: Carl Auer Verlag. (S. 64 - 102)
Zu Methoden und Übungen
Antons K., Ehrensperger H.,Milesi R. (2019, 10. Auflage) Praxis der Gruppendynamik - Übungen und Modelle)
