Woran erkennt man eine gute Supervisionsausbildung?

Aus unseren vielen Informations- und Vorgesprächen mir InteressentInnen an der Weiterbildung Supervision und Coaching von TOPS München Berlin wissen wir, dass es vielen InteressentInnen schwer fällt zwischen einzelnen Angeboten zu unterscheiden und  die Qualität des jeweiligen Angebots einzuschätzen. Natürlich erfüllen alle die von der DGSv zertifizierten Weiterbildungen die festgelegten Standards. Innerhalb dieser Standards lassen sich aber deutliche Unterschiede feststellen.

Mit den folgenden Leitfragen, wollen wir den Interessent_innen einige Kriterien an die Hand  geben, nach denen Sie eine (nach unserer Meinung) gute Supervisionsausbildung erkennen können und nach denen Sie die Ausschreibungen und die jeweiligen Anbieter  befragen können.

  1. Die Person des Coach/Supervisors ist sein hauptsächliches Arbeitsinstrument, deswegen ist die Selbsterfahrung ein zentraler Bestandteil einer guten Ausbildung. Deswegen die Frage:
  • Wie und mit welcher Methode findet die Selbsterfahrung statt?
  • Passt die Methode zur Supervision und ist sie „beratungsnah“ (z.B. das gruppendynamische Training als eine Methode der Erwachsenenbildung) oder folgt sie einer therapeutischen Schule?
  • Kommt Selbsterfahrung nicht einmalig sondern wiederkehrend im Curriculum vor?
  • Ist sie als fortlaufender Prozess in die Arbeit der Ausbildungsgruppe integriert oder „ausgelagert“ in Veranstaltungen außerhalb?
  • Begleitet die Kursleitung den fortlaufenden Entwicklungsprozess der einzelnen?
  • Treten die Kursleiter_innen wiederholt und nicht nur einmalig zu bestimmten Themen auf? Tauschen sich die verschiedenen Leitungen über die Entwicklungen der einzelnen und der Gruppe aus?
  • Haben die Teile zur Selbsterfahrung eine hinreichende Dauer (z.B. 5 Tage), besteht das Curriculum nicht nur aus 2,5 tägigen Workshops. Finden die Abschnitte zur Selbsterfahrung in Klausur statt?
  1. Die kontinuierliche Ausbildungsgruppe ist das zentrale Instrument für das Lernen miteinander und voneinander. Deswegen ist eine zentrale Frage:
  • Wie wird die Ausbildungsgruppe zum Lernen genutzt? Welche Möglichkeiten bietet sie an?
  • Vielfalt der Teilnehmenden: Teilnehmende kommen aus unterschiedlichen beruflichen Feldern und Professionen, sind unterschiedlichen Alters, Männer und Frauen, bringen verschiedene kulturelle Hintergründe mit.
  • Bietet die Gruppe durch ihre Zusammensetzung die Möglichkeit andere Felder der Supervision kennenzulernen? Eröffnet sie ein vielfältiges Netzwerk?
  • Zu Beginn: Welche Zeit, welche Methode, welche Aufgabe dient dazu die Arbeitsfähigkeit der Gruppe zu entwickeln?
  • Kontinuierlich: Wird der Gruppenprozess und die Arbeitsfähigkeit der Gruppe regelmäßig reflektiert, und auf welche Weise? Wird die Gruppe als lernendes Sozialsystem betrachtet und behandelt?
  • Kontinuierliche Feedbackprozesse?
  • Welche Schritte werden unternommen, die einzelnen aber auch die Gruppe „reif“ und selbständig werden zu lassen?
  1. Die Qualität der Ausbildenden und Dozent:innen:
  • Verfügen sie über langjährige Erfahrung in Supervision in unterschiedlichen Feldern und Formen? Tun sie das, was sie lehren?
  • Repräsentieren die Ausbildenden auch eine Vielfalt der Modelle nach Ausbildung, Alter, Geschlecht und professionellem Hintergrund?
  • Werden die Kursabschnitte zu zweit oder nur von einer/einem Ausbildner_in geleitet?
  • Gibt es in der Leitung Kontinuität und Wechsel?
  • Treten in einzelnen Kursabschnitten zwei oder mehr Referenten hintereinander auf? Das läßt auf Frontalunterricht schließen.
  1. Das Lehr- und Lernkonzept
  • Die Balance von Theorie und Praxis: Welchen Umfang nimmt die Vermittlung von Inhalten (Präsentationen aller Art) ein, welchen das Erfahrungslernen? (Ausprobieren, Üben, Experimentieren).
  • Wie sind die einzelnen Teile aufeinander abgestimmt – gibt es einen roten Faden? Ist es ein „Autorenkonzept“ (Mehrere Autor_innen schreiben zusammen ein Konzept und setzen es gemeinsam um) oder ist es ein „Herausgeberkonzept“: Unter der Leitung der Herausgeber*innen schreiben andere ihre Abschnitte meist weitgehend unabhängig voneinander
  • Geht das Lernen in erster Linie von der Erfahrung aus (reflexives Lernen) oder von einem methodischen Konzept (instrumentelles Lernen)
  • Setzt das Curriculum realistische Ziele? B die Rolle des/der Supervisor_in/ des Coach professionell einnehmen zu können?  Oder wird  auch versprochen Mediator_in, Organisationsberater_in,  Karriereberater_in etc. zu werden?
  • Können die Teilnehmenden auf Inhalte und Gestaltung der Weiterbildung Einfluss nehmen? Werden sie auch als Lehrende beteiligt?
  • Wird ihre individuelle Selbständigkeit und die Selbständigkeit der Gruppe gefördert und herausgefordert und wie?