"Dem Wunder wie einem Vogel die Hand hinhalten" Interview mit Susanne Holzbauer

Unsere Interview-Reihe mit TOPS-Mitgliedern geht in die nächste Runde. Dieses Mal ist Susanne Holzbauer dran.

Susanne ist seit bald 20 Jahren Mitglied im Vorstand bei TOPS, leitet die Supervisionsweiterbildung und ist auch sonst bei TOPS fast überall zu finden.

Wann und wie hast Du entdeckt, dass Du Dich für Gruppendynamik und Supervision besonders interessierst?

An meinen ersten gruppendynamischen Trainings nahm ich mit 19 und 20 Jahren teil. Es war eine eindrucksvolle und nachhaltige Erfahrung.

10 Jahre später, nach meinem Studium mit Schwerpunkt Sozialpsychologie und dem Besuch eines Seminars zum Thema Gruppendynamik und Erwachsenenbildung, war für mich klar: Der Blick auf sich entwickelnde soziale Systeme und Beziehungsarbeit im hier und jetzt geben mir großartige Energie – bis heute!

Supervision hatte ich früh und viel genossen in Studium und Beruf, das schloss ich dann bald als Weiterbildung an. 

Wie hat dich dein beruflicher Weg zu TOPS geführt?

Auf dem Weg zur Trainerin hatte ich bereits viel Kontakt zu den Kolleg: innen von GUS „Gruppendynamik und Selbstorganisation“ und von TOPS Berlin e.V.

Als beide Anbieter sich 2001 zusammenschlossen zu TOPS München-Berlin e.V., konnten mein Mann Hubert Kuhn und ich Teil des Vereins werden.

Seither bin ich in den Weiterbildungen aktiv und seit bald 20 Jahren auch Mitglied des Vorstands.

Was motiviert dich persönlich in deiner Tätigkeit als Trainerin und Supervisorin?

Fünf Tage Gruppendynamisches Training erlebe ich auch als Trainerin als eine überaus kostbare Zeit: sich ohne Ablenkung auf das Spüren und Wahrnehmen einlassen zu können.

Die Wucht und Zartheit zugleich zu erleben, wenn Menschen anfangen, sich über ihre Beziehungen im Hier und Jetzt und die Entwicklung der Gruppe auszutauschen. Es entstehen Momente, die mich an ein Gedicht von Hilde Domin erinnern: Dem Wunder wie einem Vogel die Hand hinhalten.

Auch in meinen Supervisionsprozessen geht es um Verstehen als gemeinsam getragenen Prozess. Rahmen, Inhalt und Vorgehen sind anders als im Training, das ist anspruchsvoll und doch leicht zugleich.  

Was können Teilnehmende deiner Meinung nach aus dem gruppendynamischen Labor in die Welt da draußen mitnehmen?

Viel!

Ein klareres Bild haben, wer Sie sind in Gruppen und Teams. Sich trauen, in Gruppen Einfluss zu nehmen, sich abzugrenzen oder auch zuzuwenden.

Leichtigkeit und Ruhe, dass sich etwas entwickelt, im Vertrauen auf die Menschen und ihre Beteiligung. Den Spannungsbogen zwischen Person und Rolle kennen und gestalten.

Entwicklungen in Gruppen besser verstehen….

Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Gruppendynamik aus deiner Sicht?

Hier kann im Kleinen Verständigung trotz Unterschiedlichkeit gelingen.

Sozialpsychologische Phänomene können erlebt werden. Es darf und soll riskiert werden, etwas anzusprechen und die Wirkungen zu untersuchen. Beispielsweise den Konformitätsdruck, der von Gruppen ausgehen kann oder das Glück, sich angekommen zu fühlen.

Politische Beteiligung ersetzt es nicht, aber es kann Lust machen, sich mit dem erfahrenen Wissen um Dynamiken wie Einfluss und Vertrauen, Entscheidungsprozesse usw., in Auseinandersetzungen zu begeben und Position zu beziehen.

Was wünscht du TOPS für die Zukunft?

Die herausragende fachliche Qualität aus unseren Veranstaltungen fortzuführen und die Orte des Austauschs und der Herausforderungen zu erhalten noch für viele Jahre.