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Habitus von Supervisor:innen
Der Begriff Habitus geht unter anderem auf den Soziologen Pierre Bourdieu zurück. Er versteht darunter die verinnerlichten Denk-, Wahrnehmungs- und Handlungsschemata, die Menschen im Laufe ihrer Sozialisation in einem bestimmten sozialen Umfeld erwerben. Habitus bestimmt, wie wir die Welt wahrnehmen, interpretieren und in ihr handeln, ohne dass uns diese Prägungen immer bewusst wären. Im Kontext von Supervision umfasst der professionelle Habitus dabei nicht nur methodisches Wissen oder Techniken, sondern eben auch eine Haltung im Sinne von Haltung gegenüber Rolle, Auftrag, organisations- und systembezogenen Bedingungen und sich selbst als Subjekt.
In der supervisorischen Praxis zeigt sich dieser Habitus z. B. in der Art und Weise, wie Aufträge geklärt und gestaltet werden, wie Nähe und Distanz gehalten werden, wie Reflexion ermöglicht wird und wie mit Macht-, Rollen- und Organisationsdynamiken umgegangen wird. Die DGSv schreibt hierzu: „Das Fundament: supervisorische Kompetenz und supervisorischer Habitus“.
Supervisor/innen sind somit nicht nur „Fachleute“ im Sinne von Verfahren und Technik, sondern sie haben eine bestimmte professionell verankerte Haltung, die es ihnen ermöglicht, die Dynamiken von Personen, Rollen, Teams und Organisationen sensibel wahrzunehmen und zu gestalten. Diese Haltung wirkt im Hintergrund und ist oft unbewusst, wird aber wirksam im Verhalten, in Entscheidungen und in der Gestaltung von Prozessen. Sie ist Ergebnis eines langen Entwicklungsprozesses und entsteht in der persönlichen Biografie, in Ausbildung und Weiterbildung, durch Lehrsupervision und Praxiserfahrung. So bildet sich ein spezifischer supervisorischer Habitus, der es ermöglicht, komplexe Situationen reflexiv, sensibel und wirksam zu gestalten. Er verbindet Fachlichkeit, Selbstreflexion und ethische Verantwortung.
Aus Sicht der Weiterbildung bedeutet dies, die Qualifizierung von Supervisoren und Supervisorinnen nicht nur an fachlichen Inhalten auszurichten, sondern auch den Prozess der Habitualisierung zu unterstützen, also die Herausbildung und Einbindung eines beruflichen Habitus, der die Anforderungen des Feldes Supervision/Coaching zuverlässig mitträgt.
Supervisorischer Habitus bedeutet somit eine Art Grund-Haltung, die das Handeln in der Supervision begleitet und die auf der Verbindung von Selbstreflexion, beruflicher Sozialisation und feldspezifischem Handeln beruht. Wer sich als Supervisor/in im Feld bewegt, bringt also nicht nur Technik und Methode mit, sondern einen inneren „Orientierungscode “, der es ermöglicht, im Spannungsfeld von Auftrag, Organisation und Person wirksam zu sein.
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Literaturhinweise
• Bourdieu, P. (1987). Die feinen Unterschiede. Kritik der gesellschaftlichen Urteilskraft. Frankfurt a. M.: Suhrkamp.
• Finke-Hoppmann, D. (2014). „‚Habitusanalyse‘ – ein Instrument des sozialwissenschaftlichen Verstehens.“ FoRuM Supervision, 19(38), 57–68.
• Grawe, B. & Aguado, M. (2021). „Professionalisierter supervisorischer Habitus – Professionstheoretische und curriculare Überlegungen.“ In puncto Standards, DGSv.
• Fortbildungsinstitut für Supervision (2022). „Was ist ein Habitus? Die soziale Welt führt ein Doppelleben.“ fis-supervision.de
• Söling, S. & Köberlein-Neu, J. (2022). „Habitus-Theorie.“ Monitor Versorgungsforschung, 02/22, 44–46.
