Wie aus GUS und TOPS eine berufliche Heimat wurde: Irmengard Hegnauer-Schattenhofer im Interview

Unsere Interview-Reihe mit TOPS-Mitgliedern geht in die nächste Runde. Nach Prof. Dr. Marc Simon antwortet heute Irmengard-Hegnauer-Schattenhofer auf die Fragen.

Irmengard war von Beginn an dabei und ist heute im Vorstand von TOPS aktiv. Das TOPS-Programm bereichert sie als Trainerin für Teamkompetenz.

Wann und wie hast Du entdeckt, dass dich Gruppendynamik und Supervision besonders interessieren?

Das erste Mal bewusst auf Prozesse in Gruppen aufmerksam geworden bin ich, als ich in der Jugendarbeit an einer Schulung zur Gruppenleiterin teilgenommen habe. Was es da zu erfahren, zu sehen, zu erforschen gibt, hat mich gleich fasziniert und nie mehr losgelassen.

Auf Supervision bin ich gestoßen, als ich in meinem sozialen Jahr an einer Supervision teilgenommen habe. Da dachte ich mich schnell: "Das will ich auch einmal können", denn diese Art der Reflexion hat mir für viele Dinge, die da stattgefunden haben, die Augen geöffnet und ein anderes Verständnis der Ereignisse ermöglicht.

Wie hat Dich Dein beruflicher Weg zu TOPS geführt?

In meiner Ausbildung zur Trainerin für Gruppendynamik, damals noch in der Sektion Gruppendynamik im DAGG, ist mir die Weiterbildung zur/zum Gruppenleiter:in begegnet. Zusammen mit den Kolleg:innen Elisabeth und Otto Hürter, sowie meinem Mann Karl Schattenhofer, haben wir beschlossen unter dem Akzent der Selbststeuerung als GUS (Gruppendynamik und Selbstorganisation) eben so eine Weiterbildung
in der Leitung von Gruppen anzubieten.

Nach einigen Jahren in dieser Formation haben wir und TOPS Berlin, das von Cornelia Edding und anderen Kolleg:innen verantwortet wurde, entschieden uns zusammen zu tun. Daraus entstand dann der TOPS München-Berlin e.V., dem ich von Anfang an angehöre und der meine berufliche Heimat ist.

Was motiviert Dich persönlich in deiner Tätigkeit als Trainerin und Supervisorin?

Nach wie vor fasziniert mich in der Arbeit als Trainerin und auch als Supervisorin, begleitend zuschauen zu können, wie Menschen sich in den stattfinden Prozessen entwickeln und ihre Stärken kennen und nutzen
lernen. Es ist, fast möchte ich sagen beglückend, wie sich aus Skepsis und Vorbehalten vor allem in Trainings, durch die Verlangsamung und Fokussierung auf die Wahrnehmung ein Verstehen, ein Entdecken, ein Erkennen einstellt, das die Teilnehmenden selbst fasziniert und sensibilisiert.

Was können Teilnehmende deiner Meinung nach aus einem gruppendynamischem Labor in die Welt draußen mitnehmen?

Immer wieder erfahren wir, wie nachhaltig die Erfahrungen in solchen gruppendynamischen Trainings sind. Das Interesse, Prozesse verstehen zu wollen und nicht nur auf Stichworte zu reagieren, ist eine wesentliche Veränderung im Umgang mit Kolleg:innen und Kund:innen im beruflichen Kontext.

Generell im Umgang mit Menschen in meiner Umgebung macht mich diese Schulung der Wahrnehmung und die Überprüfung meiner Annahmen aufmerksamer und trägt dazu bei, Missverständnisse zu vermeiden oder wenigstens immer wieder aufzudecken und besprechbar zu machen.

Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Gruppendynamik aus deiner Sicht?

Leider nur eine sehr geringe, da sie ein Nischendasein führt.

Grundsätzlich halte ich Gruppendynamik sehr wohl für ein die Demokratisierung der Gesellschaft förderliches Verfahren.

Gruppendynamik braucht Zeit, entschleunigt und fordert viel Aufmerksamkeit. Damit läuft sie dem Zeitgeist des immer höher, schneller, weiter entgegen und es gelingt nur sehr schwer, die notwendige Aufmerksamkeit zu bekommen.

Was wünschst du TOPS für die Zukunft?

Dass TOPS auch in Zukunft die Qualität behält, die es heute ausmacht; sich immer wieder Kolleg:innen finden, die Lust haben mitzumachen; aktuelle Themen, die neu auf uns zukommen, aufgegriffen und fachlich eingebettet werden; dass TOPS vielfältiger wird und weiter die Wertschätzung in Fachkreisen genießt, die es heute auch trägt.