TOPS-Fachtag zu Klassismus und Armut

Ein intensiver Fachtag geht zu Ende: Am Wochenende hatten wir die Möglichkeiten Armut und Klassismus – Themen, die oft im Verborgenen wirken - offen anzusprechen, in ihrer gesellschaftlichen Tragweite zu beleuchten. Wir diskutierten und entwickelten Wege des Umgangs für die Praxis in der Beratung, aber auch in der Supervision für Fachkräfte und Teams.

Dr. Irina Volf (Leiterin ISS e.V.) warf in ihrem Vortrag einen höchst fundierten Blick auf Armut, deren Ursache, die Folgen in der Gesellschaft. So tun, als ob Geld da wäre… – das ist ein verständlicher Schritt angesichts der Abwertung, der sich Menschen, die in Armut leben müssen, oftmals ausgesetzt sehen. Das Ansprechen und Abbauen der zahlreichen strukturellen Hindernisse stoßen auf Widerstand auf vielen (politischen) Ebenen. Das „Trichterprinzip“ ist verfestigt: wer in Armut aufwächst, hat ein sehr hohes Risiko im Lauf seines Lebens, auch arm zu bleiben.  

Aicha Agrien und Dörthe Friess bewegten uns sehr mit ihrem Beitrag „Wenn das Geld nie reicht – Aufwachsen in Armut“ein Perspektivwechsel. Die Geschichten, die hinter der Armut stehen, wurden spürbar und real. Beispielsweise: Auch wenn ich es „rausgeschafft habe“ – das Lebensgefühl bleibt, keine Pause machen zu dürfen, denn es kommt bestimmt wieder ein Problem, das ich gerade nur noch nicht sehe. Auch: Abwertung von Menschen, die veröffentlichen, was Armut in ihrem Leben bedeutet (hat).  

Nenad Cupic ermöglichte es in einem Workshop, sich persönlich in dem Machtverhältnis Klassismus zu verorten. Angelehnt an Rita Mae Browns Zitat „Die Klasse bestimmt dein Verhalten und deine grundsätzlichen Lebensauffassungen“ tauschten wir uns aus, wie Klassismus unser (berufliches) Leben auf unterschiedliche Weise beeinflusst. Die Unsicherheit zu erleben, wenn es Erfahrungen gibt, mangels (finanzieller) Ressourcen nicht mithalten zu können oder den Code der höher gestellten oder gebildeten Milieus nicht zu kennen, Strategien auszubilden, sich anzupassen oder auch zu rebellieren.

In Arbeitsgruppen reflektierten die Teilnehmenden ihre berufliche Praxis:
Wie können wir Räume schaffen, die Klassismuserfahrungen mitdenken und worin liegt die Verantwortung von Beratenden, Supervisor_innen, Coaches und Trainer_innen?

Den Abschluss bildete der Kurzvortrag von Susanne Holzbauer zum Thema „Gesellschaftlicher Status in Gruppen und Teams – eine gruppendynamische Erkundung“.