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Beratung als personorientierte Dienstleistung
Beratung ist ein Begriff, der sich kaum mehr abgrenzen lässt. Fast jede zwischenmenschliche Kommunikation lässt sich auch als Beratung definieren.
Zunächst einmal lässt sich die Fachberatung oder die Expertenberatung abgrenzen, bei der Fachleute wie Ärzt:innen, Fleischfachverkäufer:innen, IT-Ingenieure und IT-Ingenieurinnen, betriebswirtschaftliche Unternehmensberater:innen ihren Kund:innen oder Klient:innen gewünschte oder für eine Entscheidung notwendige Informationen zur Verfügung stellen. Ein Gutachten wird erstellt, eine Diagnose formuliert, ein Rezept geliefert.
Anders die psychosoziale Beratung oder die Prozessberatung. Sie geht davon aus, dass in systemischer Sicht Beratung nur als Eigenleistung des zu beratenden Systems möglich ist. Mit einfachen Worten, die Klienten müssen selbst darauf kommen, sie müssen sich die angebotene Lösung zumindest zu eigen machen (können). Berater:innen haben die Aufgabe, einen Prozess zu gestalten, in dem neue Sicht- und Verhaltensweisen bezüglich einer Aufgabe, eines Problems, eines Zieles entstehen können, sie geben den Weg dorthin aber nicht einfach vor. Das ist ein sehr voraussetzungsvoller Prozess, der nur teilweise von der Professionalität der Berater:innen abhängt, sondern im Ergebnis eben auch von der Koproduktion mit den Klienten.
Beratung als Prozess ist also nicht im Einzelnen planbar, sondern ein Weg, der gemeinsam gefunden werden muss. Es laufen keine linearen Prozesse ab, sondern die Wirkung der Interventionen durch die Berater/innen lassen sich immer erst im Nachhinein erkennen. Das heißt, dass die Berater:innen zur eigenen Orientierung und zur Reflexion des eigenen Tuns über ein Prozessmodell verfügen sollten, mit dem sie den realen Beratungsverlauf abgleichen können. Unterschiedliche Aufgaben der Beratenden und unterschiedliche Phasen der Beratung lassen sich idealtypisch unterscheiden:
- Erkunden der Situation des Klientensystems (oft in den ersten probeweisen Beratungssitzungen), Klärung/Formulierung der nächsten Ziele: Wohin soll die Beratungsreise (zunächst) gehen?
- Gemeinsame Erfahrung während der Beratung, sich einlassen auf das Klientensystem, mitspielen, mittanzen, unterstützen, bestätigen usw.
- Rückmeldungen an das Klientensystem zu den Mustern und bisherigen Lösungen, zu wirkenden Überzeugungen, Einstellungen, Werten, Verhaltensweisen usw. Hier zeigt sich oft die „Krise“ im Ablauf der Beratung.
- Mobilisierung der Ressourcen, Erarbeiten und Überprüfen von Alternativen, handlungsbezogene Hilfen.
Für jede der Phasen und Aufgaben sollten die Berater:innen spezifisch gerüstet sein. Viele Beratungsansätze gründen auf einer bestimmten therapeutischen Richtung (Verfahren). Ohne der Beliebigkeit das Wort zu reden oder alles mit allem vereinbar zu halten: Für das berufsbezogene Beraten braucht es unterschiedliche Ansätze, die einerseits auf psychologischen und andererseits auf institutionellen Kenntnissen und Fertigkeiten aufbauen.
Beratung lässt sich dem tertiären, dem Dienstleistungssektor zuordnen, genauer ist sie eine soziale, personorientierte Dienstleistung. Eine Besonderheit sozialer Dienstleistung besteht darin, dass sie zusammen mit dem Adressaten erbracht wird. Die andere Person handelt sozusagen als „Koproduzent“. Damit ist Beratung auf die aktive Beteiligung des Ratsuchenden angewiesen, die Gruppenleiter/innen brauchen deren Aktivität und Interesse an der Gruppe. „Produktion und Konsumtion“ der Dienstleistung fallen zusammen (Uno-actu-Prinzip). Dies erklärt die große Bedeutung von Referenzen und des direkten Kontakts zwischen Auftraggeber und dem Anbieter von Beratung – das „Produkt“ und seine Qualitätskriterien lassen sich vorab nicht beurteilen.
