Konfrontation

Eine Intervention mit besonderer Intensität ist die Konfrontation. Von der sprachlichen Wurzel her heißt Konfrontation „Stirn gegen Stirn gegenüberstellen“. In diesem Bild lassen sich die wesentlichen Elemente des Gemeinten erkennen: Es geht um Aggressivität (im Sinne einer psychischen Grundkraft, nicht von Feindseligkeit) in möglichst passender „Dosierung“, also weder zu viel noch zu wenig, Standhalten, Kraft, Macht, Konzentration und ein spürbares Interesse an der Klärung der Beziehung.

Nach Kurt Lewin kann man die Beziehung zwischen Einzelnen oder innerhalb einer Gruppe als Feld rationaler, emotionaler und physischer Kräften sehen. In einer Konfrontation wird diese Energie gebündelt und in polare Spannung gebracht. So kann die Feldenergie für Entwicklungen und Veränderungen genutzt werden. Unterbleibt diese Bündelung, wird der Prozess im Feld unproduktiv, undifferenziert und lahm.

Gelingt die Konfrontation, wirkt sie wie ein reinigendes Gewitter, und der Prozess der Gruppe wird belebt. Angst vor einer verletzenden Konfrontation lässt Gruppenleiter jedoch allzu oft zögern.

Damit die Konfrontation nicht mit zu vielen Gefühlen von Scham, Schuld, Ohnmacht, Kränkung oder verschleppter Wut endet, ist in der Praxis einiges zu beachten:

  • Ein starkes Macht- oder Abhängigkeitsgefälle erfordert eine besonders sorgfältige Dosierung der Konfrontation.
  • Unbewusste Übertragungsmuster können bei einer Konfrontation zu heftige Allmachts- oder Ohnmachtsgefühle auslösen.
  • Dem Kontext, der Vermittlung von Respekt und der Wortwahl gelten besondere Sorgfalt.

Ein passendes Bild für eine gelingende Konfrontation ist, dass der Konfrontierte gleichermaßen „die stützende Hand im Rücken“ und „ein klares Gegenüber“ von ein und derselben Person erleben kann, das heißt gleichermaßen die Achtung und Zuwendung des Partners in einer vertrauensvollen Beziehung und das Gegenüber als Widerpart, das seine Interessen zeigt und die Situation oder die Beziehung ändern will.

Gelungene Konfrontationen schwächen die Beziehung nicht, sondern stärken sie mehr als gute Worte.