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Organisationsentwicklung
Personalentwicklung
Supervision
Rollen in Gruppen
Für die Analyse von Rollenkonstellationen in Gruppen und Teams wurden verschiedene Modelle entwickelt. So hat zum Beispiel Klaus Antons die Kategorien „aufgabenbezogene Rollen“, „Erhaltungs- und Aufbaurollen“ und „negative Rollen“ entwickelt, mit denen er jeweils typische Verhaltensweisen verbunden mit je unterschiedlichen Wirkungen auf den Gruppenprozess zusammenfasst. Diese Erkenntnisse stammen aus Untersuchungen von Gruppen und Teams. In vielen Praxisfeldern sind jedoch Modelle populär, die aus Charakter- oder Persönlichkeitstypologien entstanden sind und, obwohl sie ursprünglich mit sozialen Rollen nichts zu tun hatten, einfach auf Gruppen übertragen wurden. Aber es gibt einen fundamentalen Unterschied zwischen solchen persönlichkeitspsychologischen Typologien und der sozialpsychologisch-gruppendynamischen Betrachtungsweise. Erstere nehmen an, dass alle Gruppenmitglieder ihren Persönlichkeitstyp mit in die Gruppe bringen und damit ihre Rolle und ihren Platz definieren. Die gruppendynamische Betrachtungsweise geht hingegen davon aus, dass sich in jeder Gruppe ein bestimmtes, der Aufgabe und der personellen Zusammensetzung entsprechendes Set von Rollenmustern herausbildet, das nur teilweise von den individuellen Eigenschaften der jeweiligen Rollenträger bestimmt ist.
Eine Gruppe ist demnach nur dann arbeitsfähig, wenn in ihr ein bestimmtes Repertoire an unterschiedlichen Rollen ausgebildet werden kann. Man braucht sich nur einmal folgende Szenarien vorzustellen: Alle wollen in einer Gruppe gleichzeitig die Führung übernehmen, aber niemand will Gefolgschaft leisten; alle warten darauf, dass jemand die Initiative ergreift, aber niemand geht voran; alle produzieren interessante Ideen zur Lösung der Gruppenaufgabe, aber niemand führt die Entscheidung herbei, welcher Ansatz in die Tat umgesetzt werden soll. Es muss also eine Mindestausstattung mit unterschiedlichen Rollen vorhanden sein, ebenso ein Mindestmaß an Ausdifferenzierung sich ergänzender, komplementärer Verhaltensweisen, damit eine Gruppe als solche funktionieren kann. Diese Rollen sind nicht an bestimmte Personen gebunden, sondern können unter den Mitgliedern einer Gruppe jeweils situationsspezifisch verteilt werden. Zugleich entlasten unterschiedliche Rollen die Einzelnen davon, das in Gruppen notwendige Verhaltensspektrum ganz alleine abdecken zu müssen.
