Training
Organisationsentwicklung
Personalentwicklung
Supervision
Übertragung und Gegenübertragung
Zwei Begriffsnamen zeigen sich, die von Sigmund Freud als sich gegenseitig bedingende Sprachfiguren in die psychoanalytische Theorie eingeführt wurden. Sie benennen eine Interaktionsmodalität, die stets darauf hinausläuft, unbemerkt einen Doppelgänger-Effekt zu erzielen. Der Patient, Supervisand oder Ratsuchende (natürlich ebenso in weiblicher Rolle) sieht unbewusst in dem Analytiker (Supervisor, Berater) eine bedeutende Person aus seiner kindlichen Vergangenheit (Vater oder Mutter). Er verhält sich folglich so, als habe er einen Doppelgänger vor sich, und überträgt auf denselben unbemerkt Gefühle, Affekte, Erwartungen oder Wünsche, die aus jenem Zurückliegenden stammen und ursprünglich jener anderen Person galten. Zugleich werden von ihm eingeschliffene Beziehungsmuster wiederholt, die in der Herkunftsfamilie praktiziert wurden.
Als Gegenübertragung werden die Reaktionen der beratenden Person bezeichnet, die sich, sofern sie die Doppelgänger-Rolle unreflektiert annimmt, agierend auf jene Sprach- und Verhaltensspiele einlässt und entsprechend mitmacht. Erkennt sie aber ihre Reaktionsbereitschaft und geht sie nicht auf das szenische Spiel ein, das ihr unbewusst angeboten wird, ist es möglich, mit der ratsuchenden Person an dem Verstehen der Wiederholungsszene zu arbeiten, die sie unbewusst spielt. Dabei geht es darum, dass die Ratsuchenden ihre Übertragungen erkennen, natürlich auch solche, die sie beispielsweise im beruflichen Feld außerhalb der Beratung zur Geltung bringen. Und darum, dass er deren Bedeutungen im Sinne ihrer irrationalen Wiederholungen versteht und womöglich auf dieselben zukünftig verzichten kann.
Mehr lesen: Münch, Winfried (2011): Tiefenhermeneutische Beratung und Supervision. Konzeptualisierung und Praxisreflexion, Frankfurt a. M.: Brandes & Apsel.
