Feldtheorie

Dieses Konzept geht auf den Sozialpsychologen und Begründer der Gruppendynamik Kurt Lewin (1890–1947) zurück (vgl. Lück 2001). Nach Lewin ist jedes Verhalten wie Wünschen, Denken, Leistung und Anstrengung das Ergebnis eines Kräftespiels voneinander abhängiger Variablen. Dieses Kräftespiel oder Feld wirkt im „Hier und Jetzt“ der Gegenwart. Relevante Faktoren dieses Feldes sind sowohl die subjektiv als bedeutsam wahrgenommenen realen äußeren Einflüsse als auch individuelle Prägungen der Vergangenheit und Wünsche/Ängste in Bezug auf die Zukunft. Verhalten wird verständlich, wenn man Art, Richtung und Stärke der wichtigen Kräfte im persönlichen Feld kennt.

Lewin und die Feldtheorie hatten großen Einfluss auf Psychologie und Sozialforschung, besonders auf das Verständnis von Gruppenprozessen.

Ein nützliches Modell, das auf der Feldtheorie aufbaut, ist die Kraftfeldanalyse. Sie eignet sich vor allem für Veränderungsprojekte innerhalb von Organisationen.

Möglichkeiten der Feldtheorie:

  • Erlaubt ein dynamisches Verständnis individuellen Verhaltens im Unterschied zu einem statischen Eigenschaftsmodell.
  • Komplexe Prozesse in Gruppen lassen sich damit besonders gut beschreiben und verstehen.
  • Auch um Organisationen zu verstehen und zu verändern, bieten Feldtheorie und die verwandte Systemtheorie ein nützliches Instrumentarium.

 

Grenzen der Feldtheorie:

  • Wichtige Einflussfaktoren können unbewusst sein und daher nicht, zu wenig oder falsch berücksichtigt werden.
  • Systemtheoretisch formulierte überindividuelle, „emergente“ Phänomene in Systemen sind feldtheoretisch schwer zu fassen.

 

Mehr lesen: Antons, Klaus/Stützle-Hebel, Monika (2017): Einführung in die Feldtheorie Kurt Lewins, Heidelberg: Carl-Auer Verlag.