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Den Kontakt wagen: Conny Schneider über die Möglichkeiten gruppendynamischer Trainings
Unsere Interview-Reihe mit TOPS-Mitgliedern geht in die nächste Runde. Nach Prof. Dr. Marc Simon und Irmengard-Hegnauer-Schattenhofer ist heute Conny Schneider an der Reihe.
Conny ist in unserem Lehrgang Leiten und Beraten und bei unseren gruppendynamischen Trainings dabei.
Wann und wie hast Du entdeckt, dass Du Dich für Gruppendynamik und Supervision besonders interessierst?
Vor 10 Jahren hab ich an dem Lehrgang Leiten und Beraten teilgenommen, was mit einem Training begann. Beim Start der ersten Trainingsgruppe war ich sehr irritiert. Ich war damals bereits als Trainerin tätig und konnte diese merkwürdige Art der Leitung nicht nachvollziehen.
Ein Satz, den ich seitdem in ähnlicher Form selbst genutzt habe, von Karl Schattenhofer war: Wenn Sie sich nicht darauf einlassen, Teilnehmerin zu sein, dann wird es auch schwierig als Leitung.
Das war sehr hilfreich für mich. Ich habe nach dem ersten Training gemerkt, wie ich meine eigenen Themen bearbeiten konnte, sowohl persönlich als auch beruflich. Mich in die Hände einer Gruppe zu begeben und darin wirksam zu werden, war eine große Bereicherung für mich.
Wie hat dich dein beruflicher Werdegang zu TOPS geführt?
Bevor ich die erste Weiterbildung bei TOPS machte, war ich als Projektkoordinatorin für einen Pool von ca. 40 freiberufliche arbeitenden Trainer:innen bei einem Träger verantwortlich. Da waren erfahrenere und ältere Trainer:innen als ich.
Ich arbeitete als Leitung konzeptionell und in der Umsetzung von Seminaren mit ihnen und war gleichzeitig für die Seminarverteilung, also die Verteilung von Jobs, verantwortlich. Das war mein erster fester Job und ich war mit der Dynamik und den Ansprüchen der Trainer:innen und den Konflikten überfordert.
Eine Trainerin wies mich auf die Gruppendynamik und entsprechende Weiterbildungen hin und empfahl mir TOPS. So begann mein Weg in die Gruppendynamik und in die selbständige Arbeit als Trainerin. Ich hab durch die Ausbildung gelernt, Gruppenprozesse zu verstehen und mich selbst als Leitung oder Trainerin zu verorten, konnte meinen eigenen Leitungs- und Trainerinnen-Stil entwickeln und Sicherheit gewinnen.
Was motiviert Dich persönlich in Deiner Tätigkeit als Trainerin/Supervisorin?
Mich motivieren die Teilnehmer:innen. In jeder Gruppe entstehen Dynamiken und entfalten sich Persönlichkeiten, die es schaffen ihren eigenen Prozess zu gestalten.
Als Soziologin interessieren mich schon immer die Herausbildung von gesellschaftlichen Strukturen und die Lebenswelten, die darin eingebettet sind. Insbesondere gesellschaftliche Ungleichheiten sind ein Thema, das mich schon lange begleitet.
Zu Beginn meiner gruppendynamischen Laufbahn habe ich mich auch viel mit der Gruppendynamik gestritten. Ich hatte das Gefühl, dass gesellschaftliche Realitäten in Trainings kaum benannt oder besprochen werden und gleichzeitig wirksam sind. Gleichzeitig steckt gerade in der gruppendynamischen Methode das Potential, gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse zu thematisieren und über die trennenden Strukturen hinweg oder an den Berührungspunkten dieser in den Kontakt zu kommen.
Ich habe immer wieder erlebt, wie Teilnehmer:innen das schaffen. Das motiviert mich als Trainerin ganz besonders.
Was können Teilnehmende deiner Meinung nach aus dem Gruppendynamischen Labor in die Welt da draußen mitnehmen?
Ein Aspekt, den ich erlebe, insbesondere nach der Pandemie ist, dass Menschen die Intensität im Kontakt mit Anderen und die Tiefe von Trainings sehr wertschätzen und dies auch aktiv während der Trainings ermöglichen und gestalten.
Es scheint mir, dass sich viele Menschen durch berufliche und gesellschaftliche Rollenerwartungen, Rollenbilder und Rollenansprüchen, selbst einengen oder eingeengt fühlen und ein Performance-Druck entsteht.
Sich mitzuteilen, fällt dann relativ schwer und Menschen ziehen sich auf ihre erlernten Rollen zurück.
Den Mut, sich auch in herausfordernde zwischenmenschliche Situationen zu begeben und sich mitzuteilen, sowohl im beruflichen als auch privaten Kontext, können Teilnehmer:innen in die Welt da draußen mitnehmen.
Welche gesellschaftliche Bedeutung hat Gruppendynamik aus Deiner Sicht?
Gruppendynamischen Themen wie Macht, Zugehörigkeit und Nähe und Distanz sind eine Vorlage, um gesellschaftliche Ungleichheitsverhältnisse und Diskriminierung zu bearbeiten.
Ein Anliegen Gruppendynamischer Trainings ist es, das soziale Geschehen in der Gruppe erlebbar und verstehbar zu machen und herauszufinden, was der Beitrag der Einzelnen zu diesem Geschehen ist.
Gesellschaftliche Realitäten bergen eine hohe Komplexität, die sich in Gruppendynamischen Trainings im unmittelbaren Kontakt entfalten. Die Teilnehmer:innen erleben, dass sie aus ihren unterschiedlichen Erfahrungen und Positionierungen heraus im Kontakt wirksam werden können.
Vielleicht sind gerade in der aktuellen politischen Lage gruppendynamische Trainings eine Chance, dass Menschen sich selbst gesellschaftlich verorten und demokratische Prozesse gestalten, weil sie ihre Selbstwirksamkeit in Trainings erleben. Ich glaube, wenn sie diese Selbstwirksamkeit mitnehmen, dann ist das eine gesellschaftliche Bereicherung.
Was wünschst Du TOPS für die Zukunft?
Ich wünsche TOPS, dass es weiterhin mit so viel Frische und Freude, ausprobiert, forscht und umsetzt und seinem eigenen Anspruch immer wieder gerecht wird. Die Welt ist divers, komplex, anstrengend und sie ist schön.
Ich wünsche TOPS, dass es weiterhin keine Anstrengung scheut, selbstkritisch und neugierig zu bleiben und dran bleibt, Vielfalt auch in den eigenen Reihen umzusetzen.
Und dass TOPS sich die Wärme, Humor, Zwischenmenschlichkeit und hohen Anspruch an Professionalität beibehält, denn das macht es zu einem ganz besonderen Ort.



